Buchveröffentlichung

Sonja Kavain im Gespräch mit Simone Hauswald und Martin Sowa

Einblicke in Hintergründe und Beweggründe zum Buch

Sonja Kavain: Liebe Leserinnen, lieber Leser, seien Sie herzlich willkommen zu einem ganz besonderen Interview. Es ist das erste Interview zur Buchpremiere „Umarme dein Leben! Du hast nur eins.", geschrieben von Simone Hauswald, der Weltklassebiathletin und Mentaltrainerin, sowie Dr. Martin Sowa, dem Buchautor und renommierten Inklusionsexperten im Bereich Sport. Mein Name ist Sonja Kavain. Ich bin Wirtschaftspsychologin, Leadership Coach der neuen Zeit und Sprecherin. Das heißt, ich verleihe besonderen Menschen, Projekten und Events meine Stimme, um die Zuhörerinnen und Zuhörer auf feinste Art zu inspirieren. Und nun wünsche ich Ihnen viel Freude beim Lesen. Darf ich nun vorstellen, Simone Hauswald. Sie ist schon als Biathletin auf die Welt gekommen. Als Tochter einer Südkoreanerin und eines Schwaben vereint sie zwei Kulturen in sich. Auf der einen Seite die Ruhe und Gelassenheit Ostasiens, auf der anderen Seite das tüchtige „Schaffe, schaffe, Häusle bauen". 20 Jahre war Simone im Leistungssport aktiv - mit Höhen und Tiefen. Und nachdem sie das Thema Mentaltraining in ihr eigenes Training integrierte, gelang ihr 2009 der große Durchbruch mit ihrer ersten Einzelmedaille bei der Weltmeisterschaft in Südkorea. Das heißt, in der Heimat ihrer Mutter. Nur ein Jahr später folgte der olympische Traum in Vancouver, und die Goldmedaille bei der Weltmeisterschaft in Russland war dann der krönende Abschluss ihrer Sportlerkarriere. Heute begleitet Simone Hauswald als Mentaltrainerin Menschen in ihre ausbalancierte Ruhe, Gelassenheit und Kraft hin zu ihren gewünschten Zielen - privat und im Business.

Dr. Martin Sowa. Wer ihn erlebt, wird sofort angesteckt von seiner guten Laune und positiven Ausstrahlung. Als Buchautor begeistert er unter anderem mit interaktiven Krimilesungen sein Publikum. Und als Experte für Inklusion hat er vor allem im Bereich Sport sehr viel Pionierarbeit geleistet, wofür er mit zahlreichen landes- und bundesweiten Auszeichnungen im Inklusionssport geehrt wurde. 2005 zum Beispiel mit der Verdienstmedaille der Stadt Reutlingen und 2022 mit dem Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland. Herzlich willkommen, liebe Simone! Herzlich willkommen, lieber Martin!

Hi ihr zwei. Ich freue mich riesig auf dieses Interview. Es ist mir eine große, große Ehre, euch beiden heute zu interviewen. Es ist die Premiere zu eurem Buch. Wer euch noch nicht kennt, wer ihr seid und was ihr beiden Schönes ausgeheckt habt, der wird es jetzt in diesem Interview erfahren. Ich freue mich. Schön, dass ihr da seid.

Lieber Martin, du hast schon so vieles in deinem Leben gemacht. Du warst Pädagoge, bist Experte und Berater im Inklusionssport. Und du bist Autor einiger Bücher. Wie bist du zum Schreiben gekommen?

Martin Sowa: Ich glaube, da gibt es verschiedene Quellen und die allererste war, als ich im dritten Schuljahr war und wir nach den Osterferien mein schönstes Osterhasen - Erlebnis vorlesen mussten. Dann war der Aufsatz von meinem Mitschüler, der hinter mir saß, besser als meiner und das konnte ich nicht auf mir sitzenlassen. Deswegen habe ich spontan einen erfunden, der mit einer glatten eins bewertet wurde. Ich glaube, das war der Anfang. Im Studium habe ich mit dem Behindertensport angefangen und war so begeistert davon, dass ich die Arbeit zu meinem Staatsexamen in der Hälfte der dafür vorgesehenen Zeit fertig hatte. Viele Personen haben mir gesagt, ich soll doch mal aufschreiben, was ich schon alles gemacht habe und was ich im Inklusionssport mache. Und so sind dann zahlreiche Bücher entstanden. Als meine Kinder klein waren und ich sie abends ins Bett gebracht habe, haben sie gesagt: „Papa, wir geben dir jetzt ein paar Stichworte wie Feuerwehr, Sandkasten, Raubüberfall, Räuber, Polizist. Erzähl uns eine Gutenachtgeschichte dazu." Dann habe ich das gemacht und sie haben hinterher gesagt: „Ach! Mama kann so schön malen, du kannst so schön erzählen. Macht doch einfach mal ein Buch daraus." Als meine ältere Tochter Jasmin nach dem Abi nach Australien gegangen ist, hat sie gesagt: „Papa, kannst du uns nicht mal eine Gute Nacht Geschichte schreiben?" Ich habe ihr gesagt: „Erzählt mal, was ihr heute so gemacht habt." Daraufhin hat sie mir fast täglich ein paar Stichworte zugemailt, und daraus ist die wunderbare Reise durch Australien und Neuseeland mit dem Koala Bären, Karl Koala, und dem Wal, Walle Wal, entstanden. Rein aus Fantasie und Realität. Fast täglich gingen so die Kurzgeschichten nach Australien und Neuseeland. Die Reise habe ich in ein Buch geschrieben. und sie hat dann geendet, als sie wieder hier waren und Karl Koala als Stofftier bei ihr im Bett lag. Das war das erste Kinderbuch, das ich geschrieben habe. Und nachdem ich so viel im sonderpädagogischen Bereich geschrieben habe, habe ich mir gedacht, ich versuche jetzt einfach mal, jemanden umzubringen, ob das auch geht. So ist der erste Krimi entstanden und daneben ganz viele Kurzgeschichten, die in einem Schreibclub entstanden sind. Dort gibt es immer ein Stichwort und innerhalb von 20 Minuten muss da irgendetwas stehen. Das macht mir einfach unheimlich viel Spaß. Des Weiteren mache ich die Presse - und Öffentlichkeitsarbeit für die TSG Reutlingen Inklusiv. Also von daher fällt mir das Schreiben, sagen wir mal, etwas leichter als anderen Menschen.

Sonja Kavain: Das heißt, es ist dir eigentlich schon in die Wiege gelegt worden, und dann hat dein Mitschüler das sozusagen im Wettbewerb aktiviert. Und liebe Leserinnen, lieber Leser, ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber wenn ich Martin erzählen höre, dann muss ich schmunzeln. Allein schon diese Kombination - aus der Welt eines Kinderbuches in die Welt der Krimis zu wechseln und zu beschließen, dass jetzt jemand sterben muss. Ich liebe deinen Humor. So schön! Na ja, und dann ging die Reise weiter, denn heute sprechen wir über ein neues Buch von dir, das bald erscheinen wird. Du hast es geschrieben mit Simone. Es heißt „Umarme dein Leben! Du hast nur eins." Wie habt ihr eigentlich zueinander gefunden? Ihr habt euch kennengelernt und was hat euch dann dazu motiviert, dieses Buch gemeinsam zu schreiben?

Martin Sowa: Ich habe es wirklich in den ersten Sekunden gewusst. Da hatten wir beide überhaupt noch kein Wort miteinander gesprochen. Ich habe Simone angeguckt, eigentlich nur von hinten, und habe gespürt, dass diese Frau etwas ganz Tolles ausstrahlt. Und das hat mich tief berührt und ich habe gewusst, dass ich mit ihr mal irgendetwas zusammen machen werde. Aber zuerst musste ich sie ganz schnell ansprechen, sonst wäre sie gegangen. So habe ich zu ihr gesagt: „Frau Hauswald, das haben Sie gerade so toll gemacht, wie Sie hier mit den Sportlern mit Behinderung umgegangen sind. Das hat mich ganz tief berührt." Intuitiv habe ich gewusst, wir machen etwas zusammen. Zwar noch nicht was, aber dass wir etwas zusammen machen werden. Ja, und daraus ist dann diese Idee entstanden „Umarme dein Leben! Du hast nur eins.“ Ich denke, das hängt ganz viel auch mit meiner und Simones Geschichte zusammen. Wir haben 26 Buchstaben, das sind in Arial Schriftgröße 12, 7,7 Zentimeter. Und mit 7,7 Zentimetern kann ich die ganze Welt beschreiben. Ganze Bibliotheken sind voll davon. Bücher, Zeitschriften. Nur immer in einer anderen Kombination. Ich kann mit 26 Buchstaben die Schönheit des Lebens ganz einfach zusammentragen.

Simone Hauswald: Ich weiß gar nicht, wie ich dazu kam, bei der Eröffnungsfeier, damals vor neun Jahren, bei den Special Olympics in Todtnauberg dabei zu sein. Aber dieser Abend war für mich so unglaublich schön. Ich durfte 2010 die Olympischen Spiele in all ihren Facetten miterleben und nun hatte ich hier die Gelegenheit, bei den Special Olympics dabei zu sein. Dies zu erleben war ganz anders und zugleich sehr besonders. Wirklich ganz tief berührend. Ich hatte dort auch einen Schlüsselmoment, den ich hier gerne teilen mag. Ich habe Babsi getroffen, die auch Teilnehmerin war und die Schwester von Steffi Böhler ist, die damals als Langläuferin mit mir auf dem Skiinternat in Furtwangen war. Sie hat sich so gefreut, mich wiederzusehen, stand vor mir und hat mir gleich einen Begrüßungskuss auf den Mund gedrückt. Ohne perplex zu sein, habe ich es einfach zugelassen. Das war das Schöne dabei. Es mir und ihr zu erlauben, ohne jegliche Berührungsängste oder Hemmungen. Die Herzlichkeit flutete förmlich den Saal, und das auf allen Ebenen barrierefreie Miteinander war ein unbeschreibliches Gefühl. So etwas erlebst du in dieser Tiefe und Reinheit im normalen Alltag oder im normalen Leben eher seltener. Das sind special moments, die das ganze Leben in der Schatztruhe des Herzens bleiben. Genau so war es, Martin. Du hast die Initiative ergriffen und mich angesprochen.

Sonja Kavain: Martin erwischt dich von hinten und sagt sich: „Ich sehe das Gesicht nicht, aber ich habe da ein gutes Gefühl. Mit dieser Frau werde ich was machen." Und du weißt gar nichts von deinem Glück. Wie kam dann der Moment, und wie kam es dann schlussendlich aus deiner Warte heraus zu diesem Buch?

Simone Hauswald: Also. Martin hat mich angesprochen und wir haben uns vom ersten Moment an wunderbar unterhalten und unsere Karten ausgetauscht, um in Kontakt zu bleiben. Du kennst Martin ja jetzt auch ein Stück weit und hast ihn schon erlebt. Wenn er sich etwas in den Kopf setzt und er das will, dann zieht er es einfach durch und ist immer schon einen Schritt weiter. Da sind auf jeden Fall Parallelen erkennbar, die ich in meiner Zeit als Sportlerin auch erlebt habe. Ich hatte ein Ziel vor Augen und habe dann auf Weltmeisterschaften oder die Olympischen Spiele hintrainiert. Wir haben uns seitdem regelmäßig getroffen, und ich war auch schon bei einigen Events von Martin dabei. Ich erinnere mich heute noch gerne an die gemeinsamen Inklusionsevents zurück, bei denen ich gemeinsam mit den Inklusionskindern geturnt oder Fußball gespielt habe. Das war immer besonders. Wir hatten jede Menge Spaß und haben unglaublich viel gelacht. Bei solchen Begegnungen wird dir immer wieder bewusst, wer barrierefrei ist und wer nicht! Und gerade in den letzten beiden Jahren der Pandemie haben wir festgestellt, dass vieles, was den Alltag und das Leben einfach so besonders und wunderbar macht, verloren gegangen ist. So haben wir im Oktober ´21 den Entschluss gefasst, ein Buch zu schreiben. Verbunden mit dem Ziel, dass es vor Weihnachten ´22 erscheinen soll. Mit diesem Ziel vor Augen haben wir uns auf den Weg gemacht, haben losgeschrieben und freuen uns, dass wir jetzt gemeinsam dieses Buch veröffentlichen dürfen. Das Schöne bei unserem gemeinsamen Projekt ist, dass wir uns immer sofort einig sind, wir uns aufeinander verlassen und uns vertrauen können. Das eine fließt dann so in das andere über. Es hat mir unglaublich viel Spaß gemacht, mir dir lieber Martin, dieses Buch zu schreiben.

Sonja Kavain: Simone, nimm uns doch noch ein bisschen mit. Ist es dein erstes Buch?

Simone Hauswald: Ja.

Sonja Kavain: Wie war es, als du geschrieben hast? Als du in euer Konzept eingetaucht bist und erst mal angefangen hast, zu schreiben. Fiel es dir schwer? Fiel es dir leicht? Und was hast du gefühlt?

Simone Hauswald: Ein Buch zu schreiben hat schon was. Allein der Gedanke und die Vorstellung, dass es irgendwann jemand in den Händen hält, Freude und Spaß beim Lesen hat und darin eintaucht, ist irgendwie ein ganz besonderer Gedanke. Es fiel mir auch recht leicht, zu schreiben. Als kleines Mädchen habe ich von meiner Patentante immer viele Bücher geschenkt bekommen. So ist wohl auch die Freude fürs Lesen entstanden. Als Jugendliche habe ich ein Buch nach dem anderen verschlungen und konnte gar nicht genug bekommen. Und neben dem Lesen kam dann das Schreiben zum Vorschein. In der Grundschule habe ich immer für meine Schönschrift einen Stempel bekommen; eine Biene oder ein Herzchen.

Ich habe früher viel Tagebuch geschrieben und schreibe mir jetzt immer noch auf, wenn mich etwas bewegt, oder ich nutze es zum Reflektieren. Dieses Aufschreiben unterstützt mich und tut mir gut. Da ich eher der visuelle Typ bin und es gerne schwarz auf weiß habe, entspricht das Schreiben und Lesen meinem Naturell. Es ist schön, in Worte einzutauchen, sie fließen zu lassen, damit Neues entsteht. Dies war für mich eine bereichernde Erfahrung. Für jeden Buchstaben unseres Alphabets haben wir uns ein Wort ausgesucht, das Namensgeber für jedes einzelne Kapitel ist. Manchmal bin ich in einen richtigen Schreibflash gekommen und konnte gar nicht mehr aufhören, zu schreiben. Das ging auch mal bis tief in die Nacht hinein.

Und dann gab es aber auch wieder solche Momente, in denen gar nichts floss. Als wenn die Leitung gekappt wäre. Ich konnte das sehr gut annehmen und auch stehen lassen, indem ich mir erlaubt habe, dass es so sein darf. Im Vertrauen, dass die Zeit mir dann auch wieder die richtigen Worte für die Impulse schenken wird. Das hat tatsächlich gut geklappt. Ich bin davon überzeugt, dass man ganz andere Worte findet, wenn man diese mit Ruhe und Gelassenheit formuliert als wenn man in Eile und unter Stress schreibt.

Es war spannend, mich mit den jeweiligen Themen auseinanderzusetzen, mir zu überlegen, was mir zu diesem Wort einfällt, wie ich die Menschen durch unterschiedliche Perspektiven abholen kann, und es dann zu Papier zu bringen. Oft bin ich selbst ins Staunen gekommen, was da alles so hochkommt. Und durch die Recherchen habe ich natürlich auch sehr viel Neues dazugelernt. Das war ein wunderbar bereichernder Nebeneffekt beim Schreiben. Von dem her war es wirklich ein großartiges Erlebnis, in die Welt des Schreibens einzutauchen. Ich war in einer ganz anderen Welt und habe mich sehr wohl darin gefühlt. Und da ich mich intensiv mit diesen Themen beschäftigt habe, ging das natürlich auch für mich persönlich noch weiter in die Tiefe.

Sonja Kavain: Das heißt, du hast dieses Buch nicht im Kopf geschrieben und dich nicht verrückt gemacht, dass es bis dann und dann fertig sein muss. Als Sportlerin hast du ein Ziel und arbeitest darauf hin. Und so wie es sich jetzt für mich anhört, habt ihr ein Ziel und du lässt es fließen. Du lässt diese Gedanken, Eingebungen und Ideen kommen und bringst sie dann zu Papier. Und im Augenblick, wo es nicht ging, der Fluss so nicht da war, hast du es dann auch stehen lassen. Ich freue mich so sehr, dieses Buch zu lesen. Wie wundervoll ist das denn, nur zu schreiben, wenn es fließt. Und ist das so gewesen, dass du es einfach stehen lassen konntest?

Simone Hauswald: Es war tatsächlich so. Im Sport habe ich auch immer nach dieser Maxime gelebt: „Verfolge dein Ziel, als ob du keins hast." Das heißt, das Ziel war ja gesetzt. Und dann ist es aber umso wichtiger, sich immer wieder von Neuem auf den nächsten Schritt zu konzentrieren und nicht ausschließlich dein Ziel zu fokussieren. Denn wenn du immer nur auf dein Ziel blickst, wirst du über den ersten Stein stolpern, der direkt vor deiner Nase liegt. Wenn ich in meiner Mitte bin und mich mit meiner inneren Quelle verbinde, weiß ich, dass es einfach fließt. Da muss ich nicht lange nachdenken. Da schreibt die Hand wie von allein oder tippt auf der Tastatur. Ich war in einem Flow. Und wenn dieser nicht da war, habe ich nicht dagegen angekämpft. Manchmal lag ich im Bett, und kurz vor dem Einschlafen kam mir dann die zündende Idee. Dann bin ich gleich wieder aufgestanden und habe es mir kurz notiert, um es auch ja nicht wieder zu vergessen. Du siehst, es hat Tag und Nacht in mir gearbeitet. Laufen lassen und vertrauen. Ein sehr wertvolles Geschenk, was ich für mich persönlich in dieser Zeit besonders intensiv erleben durfte.

Sonja Kavain: Martin, wie ist es bei dir während des Schreibens gewesen? Du bist ja schon versiert und hast viele Bücher geschrieben, aber es ist doch jedes Mal etwas Neues. Ist es anders, ein Kinderbuch zu schreiben, einen Krimi und jetzt diese Art von Buch? Wie ging es dir denn bei der Entstehung?

Martin Sowa: Ja, mir geht es da ähnlich wie Simone. Ich weiß, dass ich es fertigbekommen werde und bin zu 150 % davon überzeugt. Aber ich verkrampfe dabei überhaupt nicht. Wenn ich einen Stift in die Hand nehme und mich dann mit irgendeinem von diesen Impulsen oder einem Wort auseinandersetze, weiß ich vielleicht am Anfang noch nicht, wie es ausgehen wird. Aber ich weiß, dass es schön ausgehen wird. Ich schreibe zuerst alles mit dem Stift auf, weil es mir dann flüssiger von der Hand geht als auf dem PC. Manchmal schreibe ich dann so schnell, dass ich es zehn Minuten später schon gar nicht mehr lesen kann. Die Gedanken fließen so schnell und dann kommen Stichworte, die ich mir gebe und schon kommt der nächste Gedanke, wie ich jetzt die Wendung reinbringen kann, oder mir fällt der Schluss ein. Es entsteht ein fertiges Bild – nein, eigentlich entsteht ein Film in meinem Kopf, den ich zu Ende schreibe. Und hinterher ist es ein fertiger Text. Dann arbeitet es gleich weiter in mir, und ich spiele diesen Text schon vor. Fast immer gehe ich in die Figuren rein, um die richtigen Worte und Gefühle zu finden. Wenn ich ein alter Mann am Rollator bin, gehe ich so durch die Wohnung und stelle mir Fragen, wie z.B. „Wie ist das von der Bewegung? Wie ist die Handhaltung? Wie ist das, wenn er noch so einen Bund Möhren an seinem Rollator hat? Was wippt da vorne? Ah, das ist das Grün oben dran. Wie lacht die Oma? Wie stampft das Kind auf den Boden?“. Also, ich schlüpfe jedes Mal in die Rolle des Einzelnen hinein, was irre Spaß macht. Und wenn man es vorliest und sieht, wie die Leute schauen, was als nächstes kommt, ist das Freude pur. Die Zuhörer:innen wissen schon, dass bei mir immer irgendetwas kommt, womit sie nicht rechnen. Aber verkrampft bin ich nicht.

Sonja Kavain: Das habe ich mir sagen lassen, dass deine Vorlesungen sehr besonders sind. Man geht dorthin, denkt sich, da liest der Autor was vor. Toller Inhalt, klingt interessant. Von wegen. Ich glaube, sie können sich darauf einstellen, dass sie mit irgendetwas überrascht werden, womit sie nicht gerechnet haben. Martin, wenn du auf der Bühne bist, könnte es sein, dass deine Leser dann auch irgendwie in die Welt des Krimis oder der Geschichten hineingesogen werden? Wenn du schon beim Schreiben mit einem Rollator rumflitzt.

Martin Sowa: Ja. Bei allen meinen Lesungen spielen die Zuhörer:innen mit. Entweder tanzen sie oder sie werden spielerisch erschossen. Es gibt Kneipenszenen, in der sich die Leute wie in einer Kneipe fühlen, wenn wir miteinander anstoßen. Ich begebe mich dann genau auf dieses Kneipenniveau, und dann gibt es eine Szene später wieder etwas ganz anderes zu sehen. Ich habe mir von den Leuten sagen lassen, dass meine Lesungen immer sehr interaktiv sind, und sie so etwas noch nie erlebt haben, weil es eben nicht dem Standard entspricht und sie Teil der Geschichten waren. Da hat man alles hautnah vor seinem geistigen Auge.

Das Wichtigste ist mir dabei, jeden Zuhörer, egal wie alt, ob männlich oder weiblich, immer im Inneren anzusprechen. Über Gestik, Mimik und Emotionen. Ich gehe dann zu einem Gast hin, schaue ihm oder ihr in die Augen und sage: „So. Und wir zwei fechten jetzt den Kampf da unten aus. Einer wird überleben. Du oder ich?“

Sonja Kavain: Ich bin schon gespannt auf die Lesung von eurem Buch, wie das dann sein wird. Ihr habt einen besonderen Titel gewählt. „Umarme dein Leben! Du hast nur eins.“ Sicherlich sind jetzt die Leserinnen und Leser gespannt darauf, wie es zu diesem Titel kam. Was hat euch motiviert, diesen Titel für dieses Buch zu wählen?

Martin Sowa: Wir beide sind zwei unheimlich positiv denkende Menschen. Ich erlebe um mich herum so viele Menschen, die jammern und sich beklagen, wenn sie etwas zu wenig haben. Wenn man krank ist, vielleicht schwer krank, oder es einen Trauerfall gibt, dann ist es durchaus berechtigt und verständlich. Oder wenn man vielleicht all sein Geld verloren hat. Aber wir leben in einer so herrlichen Welt. Ich muss nur bei mir aus dem Fenster schauen oder vor die Haustüre gehen. Wir haben so eine wundervolle Natur, durch die ich gehen, laufen oder mit dem Fahrrad fahren kann. Und ich kann diese Farben genießen. Das Zusammenspiel, wenn ein Getreide- oder Blumenfeld sich im Wind leicht hin und her bewegt und bunt vor mir erscheint. Dann ist das ein solch riesiges Geschenk, was mich gar nichts kostet. Ich kann in einem netten Gespräch mit anderen Menschen die Zeit vergessen und sagen: „Das war jetzt aber toll mit diesem wunderbaren Menschen.“ Das ist ebenso ein Geschenk, so wie es auch bei der Entstehung dieses Buches mit Simone war. Es war so toll, weil es genau die gleiche Art war, wie ich das jetzt schon seit Jahrzehnten im Inklusionssport mache. Da wird nicht lange um den heißen Brei herumdiskutiert. Wir haben von Anfang an gespürt, dass wir auf einer Wellenlänge sind und dann reichten kurze Absprachen, ohne dass einer von uns beiden den anderen irgendwie umbiegen wollte. Die Begegnungen mit so unkomplizierten Menschen ist für mich eine unglaubliche Bereicherung in meinem Leben. Und so ergibt sich aus dieser Vielzahl von Möglichkeiten für mich der Satz „Umarm doch einfach, was du hast, nimm die Natur, die anderen Menschen, die Gespräche und sauge das alles in dich auf. Die Zeit rast weg. Genieße sie. Du hast nur ein Leben.“

Sonja Kavain: Und wenn ich jetzt in das Buch reinlese, was erwartet mich, die Leserinnen und Leser, die da in diese „Umarme dein Leben! Du hast nur eins.“ - Welt eintauchen? Was lesen wir darin?

Simone Hauswald: Martin und ich haben es vorher ja schon gesagt. Wir haben das ABC als Vorlage genommen und uns für jeden Buchstaben ein Wort ausgesucht, das mit etwas Positivem im Leben und dem Alltag in Verbindung steht. Zu jedem Buchstaben gibt es ein Zitat, einen Impuls und eine Kurzgeschichte, die jeweils diesen Titel des Wortes tragen. Dazu schreibe ich meine Impulse und Martin seine Geschichten. Es geht von A wie Ausfahrt bis Z wie Zeit. Wir haben den Fokus für jedes Kapitel darauf gelegt, wieder mehr Freude, Dankbarkeit und Wertschätzung für den Alltag, für das Leben selbst, in den Vordergrund zu rücken, um unsere Leser:innen damit zu begeistern und vielleicht auch ins Nachdenken zu bringen. Es sind wirklich schöne Kapitel entstanden. Und ich bin mir sicher, dass sich jeder Mensch, egal ob klein oder groß, alt oder jung, in welcher Situation auch immer, eine kleine Rosine rauspicken kann. Sowohl aus den Geschichten als auch aus meinen Impulsen. Denn nach den beiden Corona-Jahren ist es um so wichtiger, sich wieder mehr auf das auszurichten, was wirklich im Leben zählt und wichtig ist. So wie Martin auch gerade gesagt hat. Es gibt so viele Dinge, die einfach nichts kosten, dir aber so viel bringen. Wenn man mit offenen Augen und all seinen anderen Sinnen durch die Welt geht und das vielfältige Angebot aus der Natur und seinem Umfeld annimmt, dann wirst du reich beschenkt. Ich sehe das oft in meiner Arbeit als Mentalcoach. Wenn du in einem Opferland durchs Leben gehst, wirst du auch solche Dinge anziehen, die dich darin bestätigen, und es zieht dich mehr und mehr in eine Abwärtsspirale. Manchmal braucht es nicht viel, um die Kehrtwende in die Aufwärtsspirale zu schaffen. Mit Perspektivwechsel, Klarheit und Konsequenz gelingen schon die ersten Schritte, sich wieder neu auszurichten und sich auf die schönen Dinge, auf die kleinen Dinge des Lebens und des Alltags, zu fokussieren. Das ist unser Motiv für das Buch. Und für mich persönlich ist es so, dass ich wirklich auch dankbar bin für alles, was in meinem Leben geschieht. Ich versuche immer das Positive zu sehen, auch wenn ich vielleicht anfangs noch nicht weiß, was daraus Gutes entstehen und erwachsen kann. Aber die Erfahrung hat mich gelehrt, dass die Medaille immer zwei Seiten hat und ich im Vertrauen bleiben darf. Genau dieses Vertrauen möchten wir auch den Menschen wieder ein Stück weit an die Hand geben und schenken. Dazu gehören die Dankbarkeit, Freude und Wertschätzung für all die selbstverständlichen Dinge, die wir erst dann wieder schätzen, wenn sie nicht da sind.

Sonja Kavain: Dankbarkeit, Freude und das Leben den Menschen wieder zu schenken. Eigentlich wissen wir es, aber wir haben es so oft vergessen. Und damit erinnert ihr im Prinzip uns Leser daran, was wir eh schon wissen. Aber durch dieses Alphabet, wenn ich das richtig verstanden habe, gibt es 26 Kurzgeschichten von Martin und 26 Impulse von dir. Simone, wie liest man denn dieses Buch? Liest man das am besten von A bis Z, oder was ist eure Empfehlung?

Simone Hauswald: Das ist das Schöne an unserem Buch. Du kannst es irgendwo aufschlagen oder suchst dir ein Wort aus, das dich gerade anspricht. Es sind kleine Häppchen und man muss es nicht an einem Stück von vorne bis hinten durchlesen, bis man weiß, wie es ausgeht, oder in Martins Krimis, wer der Mörder ist. Meine Impulse laden durch gezielte Fragen zum Reflektieren ein, und da macht es Sinn, sich immer nur einem einzigen Impuls intensiv zu widmen.

Sonja Kavain: Also ein Inspirationsbuch und durchaus auch ein Workbook, wenn man sein Leben jetzt aufs nächste Level heben möchte. Dass es einem besser geht und man noch mehr zur Lebensgestalterin und zum Lebensgestalter wird. Dann kann man diese Impulse und Geschichten annehmen und in den Alltag einbauen, um mit diesen Inspirationen daran zu arbeiten. Kann man das so beschreiben?

Martin Sowa: Kann man so beschreiben. Ich sehe es genauso wie Simone. Ich habe schon einmal ein Kurzgeschichtenbuch geschrieben, und die Leute haben mir dann zurückgemeldet, wie schön es ist, wenn man es einfach irgendwo wieder aufschlagen kann und nicht fünf Seiten zurückblättern muss, weil man vergessen hat, was passiert ist. Wenn mich ein Buchstabe oder Wort interessiert und ich neugierig bin, was den beiden denn z.B. zu Xylophon oder Waage eingefallen ist, schlage ich die Seite auf und beginne zu lesen. Wobei ich das Xylophon immer wieder weit nach hinten geschoben habe.

Sonja Kavain: Welche Buchstaben waren so richtig tricky?

Simone Hauswald: Für mich Rollator.

Martin Sowa: Rollator war bei mir genau das Gegenteil. Da habe ich so eine schöne, lustige Geschichte dazu geschrieben. Sie entstand in der Coronazeit, als die alten Damen bei uns aus dem Dorf nicht mehr mit ihrem Rollator ins Café gehen durften. Und dann habe ich sie in der Geschichte eine Sport- Rollator- Gruppe gründen lassen, die eine Rollator Rallye für Senior:innen, mit Eierlikör in der Rollatorhalterung, veranstalten. Das war so schön. Manche Geschichten lassen sich wunderbar vorspielen und in meinem Kopf gehe ich jetzt schon wieder gedanklich über Flohmärkte und überlege mir, wo ich eine schöne Waage herbekomme und diese in die Geschichte einbauen kann.

Sonja Kavain: Fang schon mal an, deinen Rollator zu basteln und zu bauen.

Martin Sowa: Bauen ist nicht so meine Stärke, aber wenn ich irgendwo etwas sehe, sei es am Straßenrand oder sonst wo, fällt mir dazu immer was ein.

Simone Hauswald: Ich glaube, wir brauchen für unsere Lesungen auf jeden Fall einen Anhänger, in den die ganzen Requisiten reinpassen, oder?

Martin Sowa: Ja, man muss danach schauen, welche Geschichten man auswählt und wie man das Publikum miteinbeziehen kann.

Sonja Kavain: Wow, sehr schön. Das Buch enthält Kurzgeschichten, Impulse, die uns einladen wollen, das Leben positiv und inspiriert zu gestalten. Was unternehmt ihr eigentlich selbst, um euer Leben, um euch positiv zu gestalten?

Martin Sowa: Einiges habe ich schon gesagt. Ich genieße jeden Moment, den ich in meinem Leben habe. Bei einer Fahrradtour, beim Spazierengehen oder wenn ich sonst irgendwo bin. Ich sauge alles auf wie ein Schwamm. Oder wenn ich, wie gesagt, ein nettes Gespräch wie jetzt gerade mit dir, Sonja, und dir, Simone, habe. Auch das geht bei mir ganz tief rein und das behalte ich dann auch für immer. Und deswegen habe ich so einen großen, großen inneren Schatz, den ich dann auch anderen Leuten auf lockere Art und Weise zeigen möchte, indem ich sage: „Es ist doch eigentlich ganz einfach. Es kostet auch gar kein Geld.“

Simone Hauswald: Ich starte gerne mit Sport und Meditation in meinen Tag. Vor allem dann, wenn es im Haus und draußen noch still ist und nur die Hasen oder die Rehe durch den Wald flitzen. Ich tanke in der Natur einfach so viel Kraft. Sei es durch die frische Luft, die Sonne, das klare und kühle Wasser oder die Bäume, die mich unglaublich erden. Die Natur ist für mich eine Kraftquelle, aus der ich dann auch den ganzen Tag schöpfe. Und als Mentalcoach ist es ja auch meine Aufgabe, den Menschen zu zeigen, wie sie selbst in ihre Kraft kommen können. Da habe ich jeden Tag genug Training. Und auch mit unseren beiden Zwillingsjungs. Wenn man beginnt, sich täglich mit solchen Dingen zu beschäftigen und sie in seinen Alltag integriert, spürt man definitiv einen gewaltigen Unterschied. Wer mit einem guten Gefühl, mit Freude und Leichtigkeit den Tag begrüßt, zieht andere Menschen und Situationen an. Du siehst ganz andere Dinge als wenn du nur mit gesenktem Kopf durch die Straßen gehst. Und wenn du mit einem Lächeln durch die Welt läufst und die Menschen grüßt, dann strahlen sie dich an und freuen sich, dass sie wahrgenommen werden. Ein schöner Austausch, der nichts kostet. Die Natur und die Menschen um mich herum geben mir viel Kraft.

Sonja Kavain: Sehr schön, liebe Simone. Du hast im Sport, insbesondere mit Mentaltraining, alles erreicht, was man im Spitzensport erreichen kann. Ich kenne dich jetzt auch schon sehr, sehr gut. Für mich bist du die Verkörperung von positiver Lebensgestaltung. Erleben das auch deine Kundinnen und Kunden? Nimm uns doch bitte ein bisschen mit in deine Arbeit, in die Welt eines Mentalcoaches.

Simone Hauswald: Das Mentaltraining, das ich als Sportlerin gemacht habe, ist sehr zielorientiert. Da ging es vorrangig um höher, schneller, weiter. Natürlich arbeite ich mit meinen Klient:innen auch an Zielen und Lösungen, aber ich habe festgestellt, dass es oft um Achtsamkeit und Entspannung geht. Meistens sind die Menschen dann einfach irgendwo gefangen. Sei es in ihrer Arbeit, mit ihren Kollegen oder mit privaten Themen, bei denen sie anfangs meine Unterstützung brauchen. Meine Berufung als Mentalcoach ist es, die Werkzeuge, die wir im Prinzip als Kinder schon in unserem Werkzeugkoffer hatten, aber im Laufe des Erwachsenwerdens vergessen oder verlernt haben, wieder auszupacken und anwenden zu lernen. Wir leben in einer Gesellschaft, und das bedeutet auch, sich anzupassen. Doch dieser Anpassungsprozess läuft unbewusst ab und viel Menschen hinterfragen zu wenig. Man funktioniert mehr als dass man lebt und macht oft das, was andere von einem erwarten, anstatt auf seine innere Stimme und sein Herz zu hören. Der Verstand plappert in einem fort und trichtert dir z.B. ein, dass du dieses oder jenes auf keinen Fall machen kannst. Was würden denn dann die Leute über dich erzählen.

Als Mentalcoach bin ich Wegbegleiterin und unterstütze die Menschen mit einfachen Übungen, wie z.B. Atemtechniken, dabei, ihr Leben bewusst so zu gestalten, dass es sich stimmig anfühlt, anstatt unbewusst unglücklich.

Die Atmung ist der Schraubenschlüssel für mehr Achtsamkeit und Energie. Das Tolle daran ist, dass wir sie immer dabeihaben. Wir atmen zwar immer, doch wir können willentlich entscheiden, wie wir atmen. Flach, tief, schnell oder langsam. Eine tiefe und langsame Atmung wirkt sehr entspannend auf unseren Körper, unsere Gedanken und Gefühle. Ein weiterer Vorteil ist, dass man kein Fitnessstudio braucht, um sich fit zu machen, sondern kann zu jeder Zeit und an jedem Ort eine Atempause einlegen, trainieren und diese in den Alltag integrieren. Anfangs bedeutet Training aber auch Disziplin, Zeit, Ausdauer und vor allem Geduld. Denn wenn du überlegst, dass du dir Jahre oder jahrzehntelang ein Verhaltensmuster antrainiert hast und es jetzt verändern möchtest, dann braucht es eben eine gewisse Zeit, dieses umzutrainieren und es zu verändern. Wie bei einer Waage. Legst du etwas auf die linke Seite, braucht es das gleiche Gegengewicht, um wieder in Balance zu kommen. Deswegen nehme ich meinen Klient:innen auch gleich ein Stück weit die Illusion, dass Mentaltraining eine Wunderpille ist, die alles mit einem Mal wegzaubert. Auf der anderen Seite mache ich ihnen Mut und gebe die nötige Unterstützung, sie in ihrem Prozess zu begleiten. Die innere Bereitschaft zur Veränderung ist der wichtigste Schritt und dann beginnt das Training. Nur im Tun verändert sich etwas. Es ist immer schön zu sehen, wenn die Menschen nach einem Coaching oder Workshop mit einem strahlenden Lächeln nach Hause gehen und am nächsten Tag dort anknüpfen, was sie bei mir gelernt haben.

Sonja Kavain: Und das ist es, was ich bei dir unendlich schätze, Simone. Ich selbst bin ja Wirtschaftspsychologin und Coach. Ich begleite meine Führungskräfte auch mit dem Mindset und der Atmung und kann das nur bestätigen, was du gerade gesagt hast. Das ist die Essenz von Menschen oder das Leben führen. Das Atmen und das Mindset. Viele wenden im Coachingbereich die Salamitaktik an und sagen, das ist schon super und dann bist du innerhalb von 24 Stunden ein komplett neuer Mensch und alles ist ausgewechselt. Aber du sagst einfach, wie es ist. Das ist im Augenblick dein Ist-Zustand, fragst nach dem Ziel und dann wird trainiert. Man muss es wollen. Und wenn die Bereitschaft da ist, begleitest du sie, auf ihren persönlichen Olymp zu kommen. Ich sehe es eigentlich auch als Investition und als Freude. Ich selbst als Coach habe auch Coaches und Mentaltrainer, weil es immer einen blinden Fleck gibt, den man einfach selbst nicht sieht. Die besten Sportler haben mindestens einen Coach und das ist völlig normal. Und unsereins, die nicht im Hochleistungssport oder dem High Celebrity Bereich unterwegs sind, denken sich, dass sie das nicht brauchen. Do it! Es ist eine Investition, es ist eine Freude in einen selbst. Das, was Martin gesagt hat, wieder diese Kleinigkeiten wahrzunehmen. Manchmal haben wir diese Scheuklappen und sehen das gar nicht, und durch einen wunderbaren Coach, einen Mentor, eine Begleitung kommt wieder die Lebensfreude ins Fließen, und damit eine Ausstrahlung nach innen und außen - für einen selbst. Was gibt es Schöneres? Aber es beginnt natürlich im Kopf.

Simone Hauswald: Genau.

Sonja Kavain: Ja, sehr schön. Martin, du gestaltest nicht nur dein Leben positiv, sondern auch mit deiner Inklusionsarbeit das Leben anderer Menschen. Du bringst viele, viele Menschen in diesen Spirit des positiven Seins. Nimm uns doch bitte mal ganz kurz in die Welt deiner Inklusionsarbeit mit hinein.

Martin Sowa: Ja, ich habe selbst sehr gut Handball gespielt. Natürlich habe ich es nicht so weit geschafft wie Simone. Aber ich komme aus dem Sport, der mir unheimlich viel gegeben hat. Gerade dieser Mannschaftssport, diese Freude, dieses gemeinsame Trainieren, Gewinnen und auch mal Verlieren. Das, was ich dabei immer in mir gespürt habe, wollte ich dann auch den Menschen geben, mit denen ich zu tun habe. Vom Grundberuf bin ich Sonderpädagoge und habe mir gedacht, dass meine Schüler mit Behinderung auch diese Lebensfreude empfinden sollen. Deswegen habe ich angefangen, mich mit diesem Thema „Sport für Menschen mit Behinderung“ zu beschäftigen. Das Wort Inklusion gab es damals noch nicht. Ich hatte eine Vision. In ganz Baden-Württemberg soll jedes Kind oder jeder Mensch mit Behinderung die Möglichkeit haben, sich sportlich zu betätigen. Egal, was er kann oder was er nicht kann. Das bekomme ich hin. Und das habe ich ganz konsequent verfolgt. Und was dabei jeden Tag zurückkommt, ist diese unheimliche Lebensfreude und Lebensqualität der Menschen- ganz gleich ob kleine Kinder oder Senioren. Dabei kann ich allerdings nicht mit einem Tunnelblick vorgehen, weil die Welt unserer Sportler manchmal ganz anders ist. Die können nicht immer alles der Norm nach. Also muss ich vieles irgendwie anders machen. Das heißt, ich muss alles heranziehen, was sich irgendwo und irgendwie umsetzen lässt. Deswegen gehe ich auch nie mit einem Geradeausblick durch irgendeine Stadt, eine Landschaft oder zum Einkaufen. Ich sehe immer irgendetwas, was ich auch in den Sport umsetzen kann. Ich habe z.B. das Thema Fernsehshows in die Sporthalle reingebracht, weil unsere Sportler sehr viel Fernsehen schauen. Ich war dann Thomas Gottschalk oder habe bei der Show „Der Preis ist heiß“ selbst etwas erfunden. Langweilige Jahreshauptversammlungen haben wir sofort umgestaltet. Die finden bei uns als „Wer wird Millionär“ oder „Das schwäbische Weindorf“ statt, oder wir hatten das Thema „Müllabfuhr“. Also es gibt nichts, was vor mir sicher ist. Es geht alles. Wir haben uns z.B. für einen Sportler mit Mehrfachbehinderung ausgedacht, dass er irgendetwas zersticht und es laut kracht. Er war auf eine Gehhilfe angewiesen. Wir sagten: „Eberhard, jetzt machen wir mit dir etwas ganz Besonderes.“ Wir haben einen mit Konfetti gefüllten Luftballon in der Sporthalle an den Ringen ganz oben an die Decke aufgehängt, ihm eine alte Pickelhaube aufgesetzt und ihn an den Seilen hochgezogen, so dass er oben mit seinem Kopf den Luftballon kaputt machen konnte. Es gibt immer etwas zu lachen und etwas, an dem man sich freuen kann. Also ich wüsste jetzt wirklich nichts, was ich nicht irgendwie verändern kann. Immer, wenn irgendjemand oder ich mir selbst sage, das geht nicht, ist das genau der Punkt, an dem es eine Aufwärtsbewegung gibt. Wenn etwas nicht geht, dann geht es eben anders. Es wird immer gehen. Ich weiß es. Vielleicht noch so ein typisches Erlebnis. Zu unserem jährlichen Spielfest kam eine Familie mit ihrem schwerstkörperbehinderten Jungen in die Halle. Dieser hatte so einen schlaffen Muskeltonus, dass er wirklich von sich aus nichts machen konnte. Dem Vater fiel das Kinn runter und er sagte: „Naja, wie immer. Es ist nichts machbar für meinen Sohn.“ Dann bin ich auf ihn zugegangen und habe gesagt: „Wissen Sie was? Hier sind zwölf Stationen, und ich mache sie jetzt alle für Ihren Sohn machbar. Alle.“ Ich habe beim Zugehen auf die erste Station noch nicht gewusst, wie ich es machen soll, aber ich habe mir dann einfach gesagt, wir schaffen das. Dann habe ich angefangen und mir ist zu jeder Station etwas eingefallen. Das Endergebnis war eine glücklich strahlende Familie. Und das ist, glaube ich, das Wesen von Inklusionssport. Das Lachen auf die Gesichter zaubern. Ein Lachen, das aus dem Inneren kommt. Ich will mich damit nicht irgendwie hochheben, aber diese Kreativität habe ich einfach. Und diese setze ich dann ein, um möglichst vielen Menschen diese Lebensfreude zu ermöglichen. Man muss es annehmen. Auch ich selbst. Aber über den Punkt bin ich lange, lange hinweg. Ich habe da keine Sorge, mich irgendwo und irgendwie für verrückt erklären zu lassen. Ich sage auch selbst, dass ich ein Spinner bin. Denn an Spinnen kann man das ganz gut erkennen. Sie sitzt an einem Holzbalkon und spinnt ihre Fäden nach allen Seiten. Und in der Mitte wird hinterher die Beute gefangen. So mache ich es auch.

Sonja Kavain: Ich liebe deine bildhafte Sprache. Von Spinner zu Spinne, die ihr Netz nach ihren Vorstellungen spinnt- wo und wie sie Lust hat. Und wenn das Netz mal zerstört wird, sagt sie sich: „Kein Problem. Ich mach´s einfach nochmal.“ Oder kennst du dieses Sprichwort, wenn jemand sagt: „Du bist verrückt!“ Das ist eigentlich ein Kompliment. Denn nur die Verrückten können die Welt ein bisschen verrücken.

Martin Sowa: Ich weiß. Wenn man sich selbst etwas ver-rückt, dann sieht man die Welt immer aus einem anderen Blickwinkel. Ich muss nur meinen eigenen Stuhl nehmen und einmal rumdrehen und schon sehe ich wieder etwas anderes. Also habe ich etwas ver-rückt.

Sonja Kavain: Genau das hatte ich letztens in einem Coaching von einem Leadership im Mentoring. Die Führungskraft kam einfach nicht weiter, und sie sollte ihren Stuhl einfach ein paar Zentimeter nach hinten schieben. Manchmal steht man auf der Leitung, und durch diese paar Zentimeter bekommt man oft mehr Abstand zu der Geschichte. Dieses Verrücken kann man physisch oder auch nur gedanklich machen. Und dann kommt man auf so wunderschöne Ideen, wie ihr beiden zu eurem Buch „Umarme dein Leben! Du hast nur eins.“ Zum Abschluss mag ich euch nochmal fragen. Wann kommt das Buch endlich raus und wo bekommt man dieses wunderschöne Werk?

Martin Sowa: Abgesprochen ist es so, dass es möglichst vor Weihnachten, sagen wir mal so in der ersten oder zweiten Dezemberwoche rauskommen soll. Und zwar im Oertel+Spörer Verlag mit Sitz in Reutlingen. Das Buch ist dann aber in jedem Buchhandel erhältlich und sicherlich auch noch bei Amazon. Deswegen hoffe ich, hoffen wir, dass viele, viele Leute dieses Interview im Vorfeld sehen oder lesen und so gierig darauf sind, dieses Buch ganz vielen Menschen zu Weihnachten zu schenken oder sich vornehmen, alle ihre Freunde einzuladen, wenn sie mal die Möglichkeit haben, uns beiden live auf der Bühne zu erleben.

Sonja Kavain: Ich bin sicher, lieber Martin, liebe Simone, dass das jetzt auf den Wunschzettel von ganz vielen Menschen kommt und sie sich sagen: „Dieses Buch möchte ich haben! Wow, Weihnachten ist gerettet. Ich habe ein mega cooles Geschenk!“

Sonja Kavain: Und wie geht es weiter? Jetzt ist das Buch da. Wir holen uns das an Weihnachten. Gibt es vielleicht auch mal eine öffentliche Veranstaltung mit euch beiden, wo man euch live sehen kann? Wie geht es denn weiter, und was habt ihr geplant? Gibt es denn schon ein Anschlussprojekt?

Simone Hauswald: Da ist Martin wahrscheinlich schon einen Schritt weiter.

Martin Sowa: Das erste Anschlussprojekt oder was damit zusammenhängt, sind sicherlich die Lesungen, die wir irgendwo machen werden. Da arbeitet es natürlich jetzt bei der Korrektur, beim nochmaligen Lesen dann schon wieder. Wie bekommen wir das interaktiv auf die Bühne? Ich weiß auf jeden Fall schon, dass ich auf keinem Stuhl sitzen werde. Außer ich brauche den Stuhl als Requisite. Ich werde eher unter die Zuschauer:innen und die Zuhörer:innen gehen, um sie gänzlich mitzunehmen. Und das läuft eigentlich immer nach dem gleichen Prinzip. Triff die Menschen in ihrem Inneren und hol sie dort ab. Das zu erreichen wäre jetzt das absolut nächste Anschlussprojekt. Und jetzt in Zusammenarbeit mit Simone habe ich gemerkt, dass ich alles mit ihr machen kann. Wenn du mal irgendeinen Vorschlag machst, Simone, dann machen wir das.

Simone Hauswald: Und wir haben 26 Buchstaben in unserem Alphabet und erst 26 Wörter. Von dem her gibt es ja noch unzählige andere Wörter, die wir mit unseren Folgebänden zwei, drei oder vier füllen können. Angebote für Anschlussprojekte sind auf jeden Fall vorhanden.

Sonja Kavain: Zwei Sachen interessieren mich persönlich ganz intensiv. Vielleicht auch Sie, liebe Leserinnen und Leser. Gibt es die Möglichkeit, das Buch jetzt schon vorzubestellen? Quasi so, dass ich die erste Ausgabe auf jeden Fall bekomme, bevor sie vergriffen ist. Und das Zweite. Wo bekomme ich denn die Informationen über eure zukünftigen Veranstaltungen?

Martin Sowa: Ich habe es bei meinem ersten Buch wie bei der Weinwerbung für den Beaujolais Primeur gemacht: „Noch 26 Tage. Dann wird umgehängt auf 25, noch 24.“ Nach dieser Idee habe ich Plakate drucken lassen auf denen stand: „Jetzt kommt er bald!“ Und dann sind die Leute draufgeflogen. Und die zweite Frage waren die Termine für die Lesungen. Es wird auf unsere Homepages kommen und wir werden in den Printmedien etwas dazu machen. Denn die meisten Leute bekommen es über die Zeitung mit oder lesen es auf Flyern oder Plakaten. Das sind die Erfahrungen, die ich bei meinen vergangenen Lesungen gemacht habe. Und wenn wir es hinbekommen vielleicht mit vorab ausgestrahlten Radio-oder TV-Interviews.

Simone Hauswald: Ich bin dann für instagram zuständig.

Sonja Kavain: Sehr schön. Ich like und teile sehr gerne für euch auf instagram, Facebook und allen anderen Social Media Kanälen. Ich bin so begeistert von euch beiden. Ihr spürt das. Wenn es die Möglichkeit gibt, je nachdem, wo dieses Interview dann ausgestrahlt wird, werden wir es auch unten mit euren Webseiten verlinken. Da kann man draufschauen und erfährt alle Termine und Informationen, wo ihr wann aktiv seid. Und für Sie, liebe Leserinnen und Leser, vielleicht noch mal kurz eure beiden Webseiten. Ganz einfach www.simone-hauswald.de und www.martin-sowa.de

Das Leben ist einfach. Wir machen es uns teilweise komplizierter als es ist und nehmen uns so die Freude. Aber dafür gibt es ja jetzt euer wunderbares Buch und dieses schöne Interview. Ich sage von Herzen Danke, dass ich das Interview heute mit euch führen durfte. Es ist mir eine ganz, ganz große Ehre und ich könnte gerade heulen. Es berührt mich richtig. Ja, vielen Dank, ihr beiden.

Simone Hauswald: Liebe Sonja. Vielen, vielen Dank, dass du dieses inspirierende Interview mit uns geführt hast. Es war so großartig. Wir haben so viel gelacht. Es war feinster Flow. Und was wir wirklich an dir schätzen, sind deine Feinfühligkeit, deine charismatische Stimme und deine Klarheit, mit der du uns jetzt auch durch das Interview geführt hast. Es ist sehr besonders, dich zu kennen. In den eineinhalb Jahren, die wir beide uns nun kennen, ist eine tiefe Freundschaft entstanden, die ich in so einer Kürze noch nie in meinem Leben erlebt habe. Ich bin sehr dankbar für dich und Martin hat mir blind vertraut und sein Ja zu dir gegeben. Und genau dieses Vertrauen macht eben unser Buch auch ein Stück weit besonders. Und es ist so schön, dich jetzt mit dabei zu haben. Du bist ein Teil unseres Buches, wie auch viele andere Menschen, die ihren Teil dazu beigetragen haben. Und wenn wir diese Freude, die wir jetzt miteinander teilen, auch nach außen weitertragen, dann ist geteilte Freude mehr als die doppelte Freude. Vielen herzlichen Dank für dieses wunderbare Interview mit Dir, liebe Sonja.

Martin Sowa: Ich kann mich dem Ganzen nur anschließen. Liebe Sonja, du hast eine so tolle, inspirierender Art. Da vergeht die Zeit wie im Flug. Ich würde mich jetzt einfach gerne weiter mit dir unterhalten. So was von schön, locker, unkompliziert, und alles geht wirklich wunderbar fließend ineinander über. Und für mich war das jetzt auch schon wieder eine Fortbildung, weil ich selbst auch sehr häufig moderiere. Dann schaue ich mir immer die anderen Moderatoren an, wie sie das machen, indem ich auf die Handhaltung, den Stand oder den gegenseitigen Blick achte. Ich lerne da immer dazu und heute habe ich wieder unheimlich viel gelernt. Dafür danke ich dir. Und das ist ja auch genau das, was ich vorhin gesagt habe. Wenn man sich mal mit einem anderen Menschen trifft und unterhält, und er trifft einen dann auch im Inneren, dann ist das ein ganz großer Gewinn. Zum Abschluss fällt mir noch ein Zitat von Einstein ein, als er die Relativitätstheorie erklären sollte. Er hat dann gesagt: „Wenn Sie zwei Sekunden mit dem nackten Hintern auf der heißen Herdplatte sitzen, kann das relativ lang sein. Aber wenn Sie sich zwei Stunden mit netten Menschen unterhalten, dann kann das relativ kurz sein.“

Sonja Kavain: So schön, so schön. Liebe Leserinnen, liebe Leser, wenn es Ihnen auch so geht wie mir, dass ich freudvoll erfüllt von diesen beiden wunderbaren Menschen, von der Idee, von diesem Buch bin, dann lade ich Sie zu diesen wunderschönen Kurzgeschichten und Impulsen von Simone Hauswald und Dr. Martin Sowa ein. Im Dezember ist es soweit. Zum selber Lesen, zum Weiterschenken, zum weiter Inspirieren. Ich sage herzlichen Dank, dass Sie dabei waren. Herzlichen Dank, dass Sie mit Ihrer Zeit diesen Rahmen jetzt umarmt haben. Ich wünsche Ihnen, dass Sie Ihr Leben noch bewusster, noch positiver, noch lebensfroher umarmen und kann nur sagen: „Umarme dein Leben! Du hast nur eins.“